AUFGEWECKT

Kaiser Barbarossa im Spiegel der Zeiten und Literaturen

Anlässlich des 900. Geburtstags Friedrich I./Barbarossa und als Teil der im Kreis Unna stattfindenden Jubiläumsfeierlichkeiten richtet das WLB im zweiten Halbjahr 2022 eine breit gefächerte Lesungsreihe rund um den - im wahrsten Sinne - sagenumwobenen "Rotbart" aus.

Friedrich I. ist eine der (vermeintlich) bekanntesten Figuren des Mittelalters. Berühmt für seinen roten Bart, der ihm den Namen Barbarossa einbrachte, war er von 1147 bis 1152 Herzog von Schwaben, von 1152 an römisch-deutscher König und ab 1155 Kaiser des römisch-deutschen Reiches, ehe er 1190 unter bis heute ungeklärten Umständen während eines Kreuzzugs im Fluss Saleph ertrank. Geboren wurde der Kaiser um das Jahr 1122 und so jährt sich sein Geburtstag 2022 zum 900. Mal.

Die Spuren seines Lebens und Wirkens und die Rezeption der Gestalt Barbarossas reichen bis in die Gegenwart und lassen sich durch halb Europa verfolgen. Auch im Kreis Unna ist Friedrich I. präsent. Denn im dort gelegenen Schloss Cappenberg, welches einst zu den Besitztümern seines Taufpaten Otto von Cappenberg gehörte, befindet sich seit Jahrhunderten eines der berühmtesten noch existierenden Artefakte aus der Zeit seiner Regentschaft: der sogenannte "Cappenberger Barbarossakopf". Mitte des 12. Jahrhunderts gefertigt, soll der Kopf den Quellen nach zusammen mit der Taufschale des Kaisers ein Geschenk Barbarossas an seinen Patenonkel gewesen sein. Eine Ausstellung des LWL-Museums für Kunst und Kultur auf Schloss Cappenberg zeigt in diesem Jahr beide Gegenstände seit langer Zeit erstmals wieder gemeinsam.

Doch die Vorstellung, die wir heute vom mittelalterlichen Kaiser besitzen, ist keineswegs eindeutig. Ob als Vorvater einer neuen ritterlich-höfischen Kultur, ob als Förderer der Wissenschaft und der Künste, ob als ehren- und tugendhafter Kaiser, ob als heldenhafter Anführer oder vielmehr als brutaler Kriegsherr - der Kaiser hinterließ der Nachwelt ein komplexes und schwer greifbares Bild seiner selbst. Zweifelsfrei aber ging Friedrich I. als starker deutscher Herrscher in die Erinnerungen ein. Ein Rollenbild, das ihm im 19. Jahrhundert zu neuem und - spätestens mit dem von den Nationalsozialisten im 20. Jahrhundert mit aller Härte vorangetriebenen "Unternehmen Barbarossa" - zweifelhaften Ruhm verhalf. Im Zuge der deutschen Nationengründung kam Friedrich I. als Sinnbild des Herrschers über ein geeintes großes Deutsches Reich eine neue Funktion zu. Sein Leben und Wirken lieferte den Gründungsmythos für die junge deutsche Nation. Ob die Sage der Gebrüder Grimm "Friedrich Rotbart im Kyffhäuser" oder Friedrich Rückerts Gedicht "Barbarossa" - der einstige Kaiser wird darin stets als letzter wahrer Herrscher identifiziert, der im Kyffhäusergebirge schlafend auf die nächste Blütezeit des deutschen Reiches wartet.

Von der historischen Figur Friedrichs I. bis hin zum sagenumwobenen Kaiser Barbarossa zwischen Fakten und Mythen, von kulturellen Glanzleistungen bis hin zu geschichtlichen Gräueltaten prägte der einstige Herrscher seit seiner Geburt die deutsche Geschichte wie kaum ein anderer Regent. So ist Barbarossa in gewisser Weise tatsächlich "unsterblich" - wenn auch nicht schlafend auf seinem Thron im Kyffhäuser, so doch zumindest im kulturellen Gedächtnis der Deutschen. Dabei ist der "Rotbart" nicht nur eine hochpolitische, sondern auch eine hoch politisierte Figur.

Anlässlich seines 900. Geburtstags gerät Kaiser Barbarossa nun erneut in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Auch im Kreis Unna sollen im Jubiläumsjahr Projekte und Aktionen zur kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einladen. Koordiniert und organisiert werden diese vom "Rotary Club Selm - Kaiser Barbarossa e.V." und einer Reihe weiterer Partner und Förderer wie u.a. dem Kreis Unna, der Stadt Selm und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

"AUFGEWECKT" ergänzt diese Aktivitäten um ein literarisches Projekt rund um die Figur Friedrich I. und ihre Rezeption. Die Lesereihe will Barbarossa aus seinem jahrhundertelangen Schlaf im Kyffhäuser holen und sich ihm aus verschiedenen Blickwinkeln annähern. Sie will seine Rolle im kulturellen Gedächtnis der Deutschen näher betrachten und dabei die historischen Prozesse im Spiegel aktueller Debatten und gegenwärtiger Politik beleuchten. Im Rahmen von sechs bis acht Veranstaltungen widmen sich Autor*innen und Schauspieler*innen zusammen mit Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Fachgebiete Barbarossa aus verschiedenen Blickwinkeln, zeigen ihn im Spiegel der Zeiten und Literaturen. So soll dem Publikum auf unterhaltsame Weise der Zugang zur Zeit Barbarossas sowie ihrem Einfluss auf die Gegenwart eröffnet und vielleicht sogar neue Themenfelder erschlossen werden, die sich aus der Beschäftigung mit der Figur des Kaisers ableiten lassen.

Weitere Informationen und Termine gibt es in Kürze an dieser Stelle.

Das Projekt "AUFGEWECKT" wird dankenswerterweise gefördert von der Kunststiftung NRW.