AUFGEWECKT

Geschichte(n) erzählen

Mit Kai Schumann, Christian Krumm, Margarita Feinstein und Freya Deiting

Was können wir wirklich wissen über Barbarossa und seine Zeit? Über den berühmten Kaiser gibt es zwar unzählige Fachbücher und Biografien mit hunderten von Seiten. Doch die überlieferten Quellen sind lückenhaft und von überschaubarer Anzahl. Und wie vertrauenswürdig sind sie überhaupt? Von Barbarossa ist bekannt, dass er des Lesens und Schreibens nicht mächtig war. Und auch die Amtssprache seiner Zeit, das Lateinische, beherrschte er nicht. Wusste der Kaiser überhaupt, was in seinem Namen an Urkunden und anderen Texten verfasst wurde? Und wie steht es um zeitgenössische Schriftzeugnisse über seine Taten und seine Person? Handelt es sich dabei um objektive Berichte oder muss davon ausgegangen werden, dass die historischen Verfasser darin (auch) eigene Interessen vertreten? All das sind Fragen, denen sich die moderne Geschichtswissenschaft stellen und auf die sie reagieren muss. Auch gilt es bei der Schilderung historischer Geschehnisse der Versuchung zu widerstehen, diese selbst besonders unterhaltsam oder dramatisch aufzubereiten und entgegen belegbarer Tatsachen nach etablierten Erzählmustern und Spannungsbögen zu gestalten, wie sie nicht zuletzt in den hochmittelalterlichen Epen vorgeformt sind. Zumindest gilt das für die seriöse Geschichtswissenschaft. Alternativ kann man es natürlich auch handhaben wie die Hauptfigur in Umberto Ecos großem Barbarossa-Roman "Baudolino" und seine Erzählung nicht etwa an den tatsächlichen Ereignissen ausrichten, sondern stattdessen die Historie nach selbst erfundenen Geschichten formen.

Bei der musikalisch gerahmten Veranstaltung im Theater von Schloss Cappenberg berichtet der Historiker, Autor und Science-Slammer Dr. Christian Krumm (Universität Duisburg-Essen) u.a. von den Herausforderungen, mit denen die Geschichtswissenschaft konfrontiert ist, wenn sie den Mythos Barbarossa von der historischen Figur trennen will.

Im Anschluss daran liest TV-Schauspieler Kai Schumann ("Heldt") aus Umberto Ecos erfolgreichem Roman "Baudolino", dessen Erzähler es mit der Wahrheit grundsätzlich nicht so genau nimmt. Mit dem Adoptivsohn Friedrichs I. hat Eco eine charmant schlitzohrige Schelmenfigur erfunden, der es durch ihre blühende Fantasie und Überredungsgabe gelingt, die Weltgeschichte genauso zu beeinflussen wie die offizielle Geschichtsschreibung. Ein Buch, das mit viel Ideenreichtum offene Fragen an das 12. Jahrhundert beantwortet und die Grenzen zwischen Historie und Fantastik amüsant verwischt.

Musikalisch begleitet wird der Abend von Margarita Feinstein (Klavier) & Freya Deiting (Violine).

Datum/Uhrzeit: SA 24.09., 19.30 Uhr
Ort: Theater Schloss Cappenberg, Schlossberg 1, 59379 Selm
Eintritt: VVK 17,90 €, erm. 15,90 € | AK 20 €, erm. 18 €
Tickets: Tel. 02303 96 38 50 und bei pretix
Weiteres: Im Vorfeld der Veranstaltung werden um 17.45 Uhr und 18.00 Uhr Sonderführungen durch die Barbarossa-Ausstellung des LWL-Museums für Kunst und Kultur auf Schloss Cappenberg angeboten, für die Sie gesondert Tickets erwerben können (Tel. 0251 59 07 201, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.lwl-museum-kunst-kultur.de).

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Kreis Unna.