Kulturwissenschaftliche/sozialwissenschaftliche Projektbegleitung/Dokumentation

Im Rahmen des interdisziplinären Kulturprojekts "Experiment HEIMAT"
schreibt das
Westfälische Literaturbüro in Unna e.V.
für den (Kern-)Zeitraum Frühjahr bis Ende 2021
eine
Kulturwissenschaftliche/sozialwissenschaftliche Projektbegleitung/Dokumentation
aus.

Die Ausschreibung dieser Dienstleistung richtet sich an Institutionen mit fundierter nachweislicher Erfahrung auf dem Gebiet der Migrations- und Integrationsforschung. Bewerbungsschluss ist der 31.10.2020.

Gesamtprojekt "Experiment HEIMAT"
"Experiment HEIMAT" (Laufzeit 2020-2022) ist ein vom Westfälischen Literaturbüro in Unna e.V. entwickeltes interdisziplinäres kulturelles Kooperationsprojekt, das die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Begriff der „Heimat“ sucht. Als prozessorientiertes Literatur- und Fotografie-Projekt lädt es zur künstlerischen Auseinandersetzung mit bereits als HEIMAT etablierten Räumen oder aus bestimmter Perspektive "heimatlich" konnotierten Orten in der Großregion Westfalen ein. Als künstlerische Ergebnisse entstehen eine Wanderausstellung und ein hochwertiger Text-Foto-Band.

Für die Entwicklung neuer Blickwinkel auf scheinbar Altbekanntes und Unveränderbares erscheint insbesondere die Perspektive von Zugezogenen vielversprechend. Ihr gegenüber regionalen Traditionen und Überlieferungen viel unvorbelasteterer bzw. ihr durch ihren jeweiligen originären oder "zweiten" kulturellen Hintergrund möglicherweise gänzlich anders gefärbter Blick verspricht besonders spannende Erkenntnisse. Deshalb richtet sich das Projekt insbesondere auch an Menschen mit Migrationsbiografien (unterschiedlichster Art).

Für das Projekt reisen zwischen April und Juni 2021 neun renommierte internationale Autor*innen (Helene Bukowski, Safiye Can, Nora Gomringer, Lütfiye Güzel, Sabrina Janesch, Wladimir Kaminer, Sharon Dodua Otoo, Raoul Schrott und Najem Wali) und neun Fotograf*innen (Peter Bialobrzeski, Alem Kolbus, Ute und Werner Mahler, Loredana Nemes, Christina Stohn, Ritesh Uttamchandani, Jörg Brüggemann und Nikita Teryoshin) nach und durch Westfalen. Ihre mehrtägigen Recherche- und Begegnungsaufenthalte führen sie an ausgewählte HEIMAT-Orte: das Bermudadreieck in Bochum, Hermannsdenkmal und Teutoburger Wald bei Detmold, die Fußballstadt Dortmund und die Widukind-Stadt Enger, die ehemaligen Arbeits- und heutigen Freizeitorte Henrichshütte Hattingen und Schiffshebewerk Henrichenburg, die historischen Stätten Wilzenberg im Sauerland und Kolvenburg im Kreis Coesfeld sowie den Genuss- und Kulturort Lindenbrauerei in Unna.

In Teams, die aus je einem Autor/einer Autorin und einem Fotografen/einer Fotografin bestehen, erkunden sie - unterstützt von lokalen Experten - "ihre" Orte unter dem Gesichtspunkt der „Heimat“. Bei initiierten Begegnungen und im Austausch mit den dort lebenden Menschen, gesellschaftlichen Gruppierungen (etwa Heimatvereinen oder Migrationsverbänden) und Besuchern (z.B. Touristen) erforschen sie die Bedeutung, die diese dem jeweiligen Ort zuschreiben. Zentral wird dabei stets die Frage sein, inwieweit sich der Blick von außen mit der Eigenwahrnehmung der in Westfalen lebenden Menschen von "ihrer Heimat" deckt.

"Experiment HEIMAT" fragt zudem danach, was HEIMAT für Migrant*innen und insbesondere Künstler*innen mit Migrationshintergrund bedeutet. Das heißt, die Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff erfolgt nicht nur auf der örtlich-materiellen Grundlage, sondern auch im interkulturellen Kontext mit dem Ziel, gegenseitiges Verstehen und Toleranz zu fördern. Durch literarische sowie visuelle Rezeption soll als Ergebnis ein produktives, künstlerisches Kaleidoskop zum Thema entstehen, das zur Reflexion über und zur weiteren kritischen Diskussion von HEIMAT einlädt.

Während der Orts-Recherchen der beteiligten Künstler*innen soll mit einem sogenannten "HEIMAT-Labor" im direkten Umfeld der HEIMAT-Orte ein temporärer, zentraler Informations-, Begegnungs- und Veranstaltungsraum installiert werden. Beim HEIMAT-Labor handelt es sich um ein eigens für das Projekt entwickeltes Setting aus einer mobilen Bühne, einem Info-Pavillon und einem definierten Zuschauerbereich. Neben seiner Funktion als zentraler Informationsort dient es vor allem als Aktionsareal und Bühne für das im öffentlichen Raum stattfindende Begleitprogramm während der Recherchephase. In diesem Sinne versteht es sich auch als multifunktionaler Begegnungs- und Angebotsraum an die ortsansässigen Bürger*innen, den diese sich - in einem bestimmten vom Projektthema vorgegebenen Rahmen und in Absprache mit dem Veranstalter - für ihre Zwecke aneignen können.

Die Recherchereisen der Autor*innen und Fotograf*innen zu den HEIMAT-Orten sowie ihre Begegnungen vor Ort werden in Auszügen fotografisch und filmisch dokumentiert - zum Teil durch die Künstler*innen selbst, zum Teil durch beauftragte Journalisten. Zusätzlich sollen sie wissenschaftlich begleitet und ausgewertet bzw. kommentiert werden. Das dadurch entstandene Material soll später unter anderem in die Präsentation der künstlerischen Ergebnisse durch den Text-Foto-Band und die Wanderausstellung mit einfließen.

Wissenschaftliche Projektbegleitung
Das Projekt "Experiment HEIMAT" begreift sich primär als künstlerischer Versuch. Die grundsätzliche Versuchsanordnung lautet: Künstler*innen treffen auf HEIMAT in Westfalen oder auf das, was dafür gehalten wird. Insbesondere in seiner ersten Phase initiiert es dabei Begegnungen zwischen Künstler*innen und kunstfremden Menschen, zwischen verschiedenen Gruppen von Zugezogenen untereinander wie auch zu Alteingesessenen, zwischen Menschen, die sich über HEIMAT und Herkunft definieren und welchen, die solchen Konzepten einen nur geringen oder gar keinen Wert beimessen. Diese Interaktionen mit all ihren sozialen Dynamiken lassen das Projekt auch für geistes- und sozialwissenschaftliche Studien auf dem Gebiet der Migrations- und Integrationsforschung lohnenswert erscheinen.

Deshalb ist für das Projekt "Experiment HEIMAT" insbesondere in seiner ersten Phase eine wissenschaftliche Begleitung durch eine Einrichtung/ein Institut/einen Lehrstuhl, die/das/der auf Fragen des interkulturellen Austauschs, der Integration und Migration spezialisiert ist, vorgesehen. Die wissenschaftliche Begleitung, die als eine Art Feldversuch mittels geeigneter wissenschaftlicher Verfahren angelegt sein soll, dient der Herstellung eines Blicks von außen auf das "Experiment".

Erste Zwischenergebnisse sollen bereits während des laufenden Projekts als Teil seiner Öffentlichkeitsarbeit publiziert werden. Für den Text-Bild-Band und ggf. auch die Ausstellung soll dann eine - auch für Laien verständliche - umfassendere Auswertung der Forschungsarbeit in Textform entstehen (Ergänzung um weitere mediale Komponenten in Absprache mit dem Veranstalter/Auftraggeber möglich). Eine Verwendung und Publikation der Forschungsergebnisse in anderen Kontexten ist bei Nennung des Projekts "Experiment HEIMAT" als Initiator und Entstehungszusammenhang des Forschungsprojekts möglich.

Vergütung/Zeitplan
Für die beschriebene Dienstleistung stehen Gesamtmittel in Höhe von 49.000 EUR zur Verfügung, die sich zusammensetzen aus Honorarkosten für eine wissenschaftliche Fachkraft (30 Std. vergütet nach oder vergleichbar EG 13 TVL-NRW für die Dauer von 9 bis 11 Monaten) sowie mögliche Organisations-, Reise-, Unterbringungs- und Verwaltungskosten. Eine Verlängerung der Laufzeit oder Aufstockung der Stelle aus eigenen Mitteln des Auftragnehmers oder aus weiteren Drittmitteln ist darüber hinaus möglich. Entsprechend der ANBest der Landes NRW als Förderer des Gesamtprojekts "Experiment HEIMAT" ist bei der Besetzung der Stelle das Besserstellungsverbot zu beachten.

Die Dienstleistung ist, da sie abhängig ist vom Recherchezeitraum der beteiligten Künstler*innen (April bis Juni 2021) und da die entstehende Publikation zum Abdruck im Text-Bild-Band zum Redaktionsschluss im Herbst 2021 vorliegen muss, im Kern für das Jahr 2021 ausgeschrieben. Je nach Beginn (Einarbeitung; Vorbereitungszeit) und aufgrund möglicher notwendiger Nacharbeiten kann sie aber noch bis ins Jahr 2022 hineinreichen. Die Mittel dafür müssen aber in jedem Fall noch 2021 abgerufen werden.

Bewerbungsverfahren
Alle sozial- oder kulturwissenschaftlichen Einrichtungen, die über eine ausreichende Qualifikation für das oben skizzierte Vorhaben verfügen, können sich bis zum 31.10.2020 (Poststempel oder Eingang per E-Mail) beim Westfälischen Literaturbüro in Unna e.V. für die ausgeschriebene Dienstleistung bewerben.

Zur vollständigen Bewerbung gehören folgende Unterlagen und Angaben:

  • Ein aussagekräftiges Exposé zum konkreten Forschungsvorhaben inkl. wissenschaftlicher Fragestellung, Angabe der geplanten anzuwendenden Methodik und einem Ausblick auf mögliche zu erwartende Ergebnisse
  • Informationen über bisherige Erfahrungen auf dem Gebiet der Integrations- und Migrationsforschung
  • Ein Zeitplan für das Forschungsvorhaben, der mindestens aufgeteilt ist in Angaben zu Vorbereitung auf/Einarbeitung in das Projekt, Durchführungszeitraum und Nachbereitungszeit
  • Ein Finanzierungsplan für das Vorhaben, ggf. unter Angabe eigener/weiterer zur Verfügung stehender Mittel

Angesichts einer nicht vollständig auszuschließenden Beeinträchtigung des Gesamtprojekts "Experiment HEIMAT" durch die COVID-19-Pandemie oder andere Fälle höherer Gewalt sollten bei alle relevanten Angaben zum Forschungsvorhaben zudem alternative Szenarien bedacht und mit beschrieben werden, die darauf abzielen, eine wissenschaftliche Begleitung des Projekts nach Möglichkeit auch dann gewährleisten zu können, wenn eine persönliche Präsenz vor Ort nur eingeschränkt oder überhaupt nicht möglich sein sollte.

Wesentliches Kriterium für die Auftragsvergabe ist die Qualität der eingereichten Projektskizze.

Kontakt
Westfälisches Literaturbüro in Unna e.V.
Projekt "Experiment HEIMAT"
Nicolaistraße 3
59423 Unna
Ansprechpartner: Heiner Remmert (Leiter), Corinna Glück (Projektassistenz)
Tel. 02303-96 38 50
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www.wlb.de