Sonstige Literatur

Ausgewählte Neuerscheinungen westfälischer Autor*innen.

Ralf Thenior Lesebuch

Ralf Thenior Lesebuch

Walter Gödden (Hrsg.)
Zusammengestellt vom Autor
Nylands Kleine Westfälische Bibliothek 107
Aisthesis Verlag, Bielefeld 2021

„Ralf Theniors frühe Gedichte wirken noch heute frisch und unverbraucht; keine Patina aus übersättigter Reife hat sich angesetzt, kein Edelrostpanzer ist am Abblättern. Was und wie er schreibt, ist nach wie vor gültig, aktuell, wirkungsvoll. Ralf Thenior hat sich in die Sprache vernarrt, gleichzeitig blieb er der Beobachtung des im dauernden Wandel begriffenen Alltags treu, deshalb entwickelte er seinen Stil weiter, oder besser gesagt: erweiterte ihn, wie Jahresringe, um unterschiedliche Ansätze, Schwerpunkte und Perspektiven […]. Die Spracherfindung gerät nicht zum Selbstzweck, zur Schaubühne dichterischer Originalität, sie bleibt immer verankert […]. Vorahnungsschmerz, Graubrotsehnsucht, Greisenspätsommer: das sind beispielsweise die Titel einiger Texte dieses Lesebuchs, die traditionelles Vokabular kühn kombinieren. Mit dem dokumentierenden Dichter Thenior im Hinterkopf wird der Alltag zu einem rasanten Abenteuer und die Lyrik zu einem flugfederleichten Vergnügen.“
(Aus dem Nachwort von Jürgen Brôcan)

Mauerkind. Eine Kindheit in Westberlin (1963-1967)

Mauerkind. Eine Kindheit in Westberlin (1963-1967)

Petra Fietzek
Elsinor Verlag, Coesfeld 2021

Ich war ein Mauerkind. Eingeschlossen in der brutalen Realität der politischen Berliner Mauer mit Stacheldraht, in den traumatischen Kriegserlebnissen meiner Eltern, in der kalten Anonymität der Großstadt Westberlin, in der irren Ambivalenz von Wirtschaftswunder und Schießbefehl, von heiler Welt und Unheil.
In diesem Buch erzähle ich von mir.
Ich erzähle in der 3. Person, nenne mich Helene und sehe mir in filmischer Distanz bei meinem Leben als Kind im Westberlin der 60er Jahre zu: berührt, bewegt, erschrocken.
(Klappentext)

Bei Sonnenaufgang sind wir zurück.

Bei Sonnenaufgang sind wir zurück.

Udo Weinbörner
Storys
Außer der Reihe 60
p.machinery, Winnert 2021

Erste und letzte Storys – aus einem Zeitraum von über 40 Jahren. Die Auswahl reicht von der engagierten, klassischen literarischen Kurzgeschichte in der Erzähltradition großer amerikanischer Autoren, wie "Im Bonner Loch", über die Kriminal- und Justizstory, die historische Erzählung "Frauensachen" mit Goethe in der Hauptrolle, bis hin zu Science-Fiction- und Fantastik-Erzählungen. Das Buch enthält die mit Literaturpreisen ausgezeichneten Storys "Elsas Macke", "Kartoffelschälen" und "In einem fremden Land" sowie als Erstveröffentlichung die große Afrika-Paris-Erzählung "Bei Sonnenaufgang sind wir zurück".
(Klappentext)

Fadenschein

Fadenschein

Josef Krug
Aisthesis-Verlag, Bielefeld 2021

Wenn er den Anzug anhatte, musste er achtgeben, dass er mit der Welt nicht zu sehr in Berührung kam – bereits als Kommunionkind fängt sich Robert Benrath einen Kleider-Tick ein, der ihn zunehmend in Miseren und teils tragikomische Verwicklungen führt. Das gilt für seine Schulzeit ebenso wie für seine Zeit bei der Bundeswehr und später an der Uni, wo er in den Verkleidungen der Jugend- und Protestbewegung versucht, seine Vorstellungen von Freiheit zu verwirklichen und erotische Sehnsüchte zu stillen.
Der Roman "Fadenschein" zeichnet sich durch genaue Beobachtung, sensible Personengestaltung und eine präzise Handlungsführung aus. Der Autor benennt gesellschaftspolitische Positionen, drängt sich aber nicht auf. Er verzichtet auf alles Plakative und Anheischige, beschreibt, statt zu interpretieren. Entstanden ist ein Text mit vielen starken Szenen, in denen – neben allen grauen Welten und Jammertälern – auch der Humor nicht zu kurz kommt. Er gewährt Einblicke in eine Zeit, die, so naiv ihre Gedankenwelt auch gewesen sein mag, unsere Gegenwart mitgeprägt hat. (Walter Gödden, Nachwort)
Das in der Reihe „Neue Westfälische Literatur“ erschienene Buch ist eine Publikation des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, der Nyland-Stiftung und der Literaturkommission für Westfalen.

Hautarrest

Hautarrest

Thomas Kade
Geschichten vom Groß- und Kleinwerden, auch einige Erschöpfungsgeschichten, nebst ungezählten Trauerreden und wenigen Freudentänzen
Projekt Verlag, Bochum/Freiburg 2021

Dieses Buch beinhaltet 25 Geschichten ganz unterschiedlicher Themen, geschrieben in den letzten fünf Jahren. Die meisten sind Erstveröffentlichungen. Sie handeln von Ruhrgebietsstädten, vom Umzug, vom Älterwerden und Sterben, Fußballgucken, von Computer-Beziehungen, Flaschensammlern, Lieblingsmusikstücken, Jugendsünden und von alten Paaren.
Es gibt eine Folge von elf kurzen Prosastücken über die Beziehungen des Menschen zur Natur, zu Naturerscheinungen in einer Großstadt bis zum Blumenstraußkauf am Muttertag.
Die Geschichten sind ironisch, tragisch, realistisch. Es sind Hass- und Liebeserklärungen an das Leben, sowie an das Leben in großen Städten.
Die Arbeit an diesem Buch wurde gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.

Georg Veit Lesebuch

Georg Veit Lesebuch

Walter Gödden (Hrsg.)
Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Walter Gödden
Nylands Kleine Westfälische Bibliothek 106
Aisthesis Verlag, Bielefeld 2021

Sehen Sie: Die Welt ist nicht mehr meine Welt. Sie ist mir wie eine Wasseroberfläche geworden, auf die nur ein Blatt fallen muss, um sie zu verändern, und die sich nicht zuverlässig beschreiben lässt, wären auch Physiker oder Künstler von Rang anwesend. Sie mag von Alltagsmenschen tagtäglich für ein und dieselbe gehalten werden, doch ist sie für mich nicht mehr verlässlich. Sie ist eine in Sekunden sich wandelnde Welt, sprudelnd, schäumend, glucksend, sanft schillernd – oder an den Rändern gefrierend ...
aus: Das Lachen des Winters (Klappentext)

Wortentbrannt 100 Kürzestgeschichten

Wortentbrannt 100 Kürzestgeschichten

Alfons Huckebrink
Elsinor Verlag, Longinus, Coesfeld 2021

In seinen Kürzestgeschichten kapriziert er sich auf die Denk- und Merkwürdigkeiten des Alltags. Seien es Jagdinstinkte, Spaltpilze, Winterreifen, Tierlieben, die Kunst der Liebe oder die Liebe zur Kunst, des Lebens letzte Dinge – nichts bleibt unangetastet, nichts verschont in diesen konzisen Miniaturen maximaler Reduktion. Nicht zu vergessen die Dialektik.
Was vergnüglich zu lesen ist und wie leicht fertiggeschrieben erscheinen mag, ist gleichwohl Ergebnis eines präzisen Schaffensprozesses. Denn „Kürze erfordert immer mehr Mühe als Weitschweifigkeit“, wie bereits Charles Baudelaire konstatierte.
(Klappentext)

Die coolsten Clubs der Welt

Die coolsten Clubs der Welt

Klaus-Hendrik Mester
Arete Verlag, Hildesheim 2021

Klaus-Hendrik Mester präsentiert in seinem Buch 40 Vereine rund um den Globus, die zwar nicht die meisten Titel und Pokale, aber alle etwas Einzigartiges und Besonderes aufweisen können.
Das Buch fördert Kurioses, Lustiges und manchmal auch Nachdenkliches aus der Welt des runden Leders zu Tage und führt uns nochmals vor Augen, welche verbindende Kraft die Liebe zum Fußball entfalten kann.

Wie alles begann und wer dabei umkam

Wie alles begann und wer dabei umkam

Simon Urban
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021

Wo endet ein hochbegabter Jurastudent, der an der Unantastbarkeit der Gesetze verzweifelt und beschließt, das Recht selbst in die Hand zu nehmen? In einer Gefängniszelle! Was aber zwischendurch geschieht, ist so unglaublich und derart böse und witzig erzählt, dass einem die Luft wegbleibt.
Simon Urbans Roman ist ein furioses Schelmenstück, eine gnadenlose Gesellschaftsanalyse und eine literarisch-brillante Auseinandersetzung mit den Regelwerken, die unser aller Leben bestimmen.
(Klappentext)

Gerd Puls Lesebuch

Gerd Puls Lesebuch

Walter Gödden (Hrsg.)
Zusammengestellt von Arnold Maxwill
Nylands Kleine Westfälische Bibliothek 104,
Aisthesis Verlag, Bielefeld 2021

Ungewissheit bleibt, und das ist gut. Da kann ich weitermachen, immer wieder neu anfangen, egal wie der Wind weht. Ein neuer Text, ein weiteres Bild: immer bleibt und kommt etwas, das es wert ist, bearbeitet, beschrieben, festgehalten zu werden. Ich möchte klarer sehen, mir klarer werden über dies und jenes, möchte weiter sehen, wie sich etwas entwickelt, weiter schildern, woher etwas kommt, wohin etwas geht.
(Klappentext)

Josef Krug Lesebuch

Josef Krug Lesebuch

Walter Gödden (Hrsg.)
Zusammengestellt von Walter Gödden
Nylands Kleine Westfälische Bibliothek 102,
Aisthesis Verlag, Bielefeld 2021

Einmal vor Jahren im Herbst joggte ich in der Abenddämmerung durch den Wald abwärts und sah vor mir auf dem Pfad ein Rudel Mufflons. Statt gefälligst auszuweichen, blieben sie stehen. Ein Widder kam mir sogar entgegen. Ich stutzte. Begriff der Kerl denn nicht, dass hier ein Mensch gejoggt kam und er als Tier – zwar größer, breiter als zum Beispiel ein Schäferhund, aber doch Pflanzenfresser, wenn auch gehörnt! – mir auszuweichen hatte? Er tat noch einmal einige Schritte auf mich zu. Ich zog es vor, im Bogen um die Herde herumzulaufen.
(Klappentext)

Wie´s früher in der Schule war …

Wie´s früher in der Schule war …

Hermann Multhaupt (Hrsg.)
St. Benno Verlag, Leipzig

Schiefertafel, Griffel und Tintenfass, Knaben- und Mädchenschulen, der Schulweg in Holzpantinen: Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen, die Schule anno dazumal selbst erlebt haben. In diesem Buch erinnern sich 24 von ihnen an den Schulalltag in den 1920er bis 1940er Jahren. Sie berichten vo Kohlesammeln für den Ofen im Klassenzimmer, von den Schrullen ihrer Lehrer, von der morgendlichen Messe, die nicht versäumt werden durfte, und erzählen die besten Anekdoten aus ihrer Schulzeit. Ein heiter-nostalgisches Lesevergnügen, das Erinnerung an alte Zeiten weckt.
(Klappentext)

Der RAbe des Köhlers

Der Rabe des Köhlers

Bruno Schmidt
Woll-Verlag, Schmallenberg 2021

Ende des 2. Weltkriegs in einem kleinen Dorf im Sauerland. Der Köhler des Dorfs erlebt mit seinem Sohn die letzten Kriegstage hoch oben im Wald neben seinem rauchenden Meiler. Unten im Dorf bereiten sich die Bewohner auf die Eroberung durch die Amerikaner vor.
Der Köhler und sein Sohn werden plötzlich in den Krieg hineingezogen, dem sie hier oben am Berg eigentlich entgehen wollten. Ein gezähmter Rabe des Köhlers spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie erleben dramatische Tage, deren Ereignisse aber auch noch lange nach dem Krieg im Dunkeln bleiben und jahrelang zu Gerüchten Anlass geben.
Erst viele Jahre später kommen die verschwiegenen Vorfälle ans Licht. Und erst mit der späten Aufklärung von Geheimnissen durch einen amerikanischen Kriegsveteranen werden die Ereignisse der letzten Kriegstage für alle Dorfbewohner offengelegt.
(Klappentext)

EIN ICH ZU VIEL

EIN ICH ZU VIEL

Anja Liedtke
assoverlag, Oberhausen 2021

Die junge Ellinor hat das Gefühl, ihr Leben schon gelebt zu haben. Sie ist gescheitert, weil sie sich angepasst und nicht behauptet hat. Im zweiten Leben will sie alles richtig machen. Aber wie geht das?
Sie lässt sich zum Abitur Geld schenken und reist nach New York. Doch das Sehnsuchtsziel ihrer Generation bietet keine Orientierung und keine Heimat, bis Ellinor Dan Guttman begegnet. Dan ist ein Kind jüdisch-deutscher Eltern, die vor dem Holocaust nach Südamerika geflohen waren. Gemeinsam reisen sie nach Argentinien, wo sie auf Adi Handnagel stoßen, der mit der Vergangenheit seines Vaters ringt. Am Ende trifft Ellinor ihr Alter Ego: Die beiden Frauen, die eigentlich nur eine sein dürften, sitzen sich im Café gegenüber.

Wasserstandsmeldung

Wasserstandsmeldung

Wilhelm Gruber
Tredition, Hamburg 2020

„Linda, wenn du ihm wirklich etwas bedeuten würdest, dann hätte er dir längst geschrieben. Soviel kann ich dir versprechen: Von diesem Erni wirst du nie wieder etwas hören oder sehen.“
Mehr als fünfzig Jahre nach diesen Worten ihrer Mutter steht er plötzlich vor ihr, ein unverhofftes Wiedersehen. Wobei, eigentlich müsste ja auch er in der Zwischenzeit ein bisschen älter geworden sein. Dieser Sache muss Linda auf den Grund gehen: „Kennen Sie einen Erst Patolak?“
(Klappentext)

T.C. Solaris - Erinnerungen

T.C. Solaris - Erinnerungen

Thomas Fillinger
Book-King, Hamburg 2020

„Weil ich sehe, bin ich.
Weil ich nicht bin wie sie, bin ich, denn ich sehe.
Weil ich sehe, bin ich.“
Ein Junge wird geboren, doch schon im Krankenhaus bemerkt er, dass es mehr gibt, als die Welt, die man sehen kann.
Zuhause rauben ihm ein zugemauerter Dachboden, Tote, die im Licht des Mondes in den Ästen eines alten Baumes vor seinem Fenster tanzen und ein Loch in der Decke seines Zimmers den Schlaf.
Schließlich klettert er durch eine nicht verschlossene Dachluke auf den Dachboden und kommt mithilfe eines sprechenden Totenschädels, den er dort in einem Geheimversteck findet und eines Buches, auf dessen Buchdeckel „Theodoris“ steht, einem düsteren Geheimnis auf die Spur, welches seine Großmutter, die ihm sonst Schutz und Trost spendet, in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt.
(Klappentext)

Tausendundein ort

Tausendundein Ort

Christina Müller-Gutowski
Arachne Verlag, Bonn 2020

Eine Hochhaussiedlung, eine Spielothek, ein Urlaubsidyll auf den Kanaren: In zwanzig Erzählungen entfaltet sich die Suche der Protagonist*innen nach Lebensentwürfen. Berührend, mehrdeutig, schräg. Mal als Flucht oder Transit, mal als bewusster Aufbruch: Eine verlassene Frau besteigt in HERZKIRSCHEN den schneebedeckten Baum vor ihrem Fenster. In TAUSENDUNDEIN ORT verbringt ein krebskranker Mann seine Tage am Hauptbahnhof seiner Heimatstadt. Die betagte Frau aus EINE KURZE NACHTGESCHICHTE liegt auf dem Straßenpflaster in Augenhöhe mit einem Löwenzahn. Sie alle, pendelnd zwischen Herkunft und Zukunft, sind unterwegs zu ihrem Sehnsuchtsort.

Lieb Kind

Lieb Kind

Patricia Malcher
Text/Rahmen, Wien 2020

Jens (39) ist ein guter Mensch geworden. Was, nach Meinung seiner Mutter Marianne (63), nicht zu erwarten gewesen war. Beide verbindet eine enge, unheilvolle Beziehung, die Auswirkungen auf Jens‘ Liebesleben hat. Kathrin, seine langjährige Partnerin, bricht den Kontakt ab und enthält ihm ihren gemeinsamen Sohn vor. Als Jens sich in Pia verliebt, wird es Zeit, die dominante Verbindung zu seiner Mutter zu kappen. Doch Marianne ist anderer Ansicht. Denn sie hat einen guten Grund, Jens im Auge zu behalten.
(Klappentext)

Über die blaue Steppe

Über die blaue Steppe

Matthias Engels, Thomas Kade, Thorsten Trelenberg (Hrsg.)
Gorki - Pjatigorsk
Dortmunder Buch, Dortmund 2020

Ein literarischer Jubiläumsgruß zum 100jährigen Bestehen der Zentralen Stadtbibliothek M. Gorki - Pjatigorsk

Auch in schwierigen Zeiten gelingen über Ländergrenzen hinweg wunderbare Projekte. Unter dem Titel “Über die blaue Steppe” präsentiert der Lyriker und Flusspoet Thorsten Trelenberg einen literarischen Jubiläumsgruß zum 100jährigen Bestehen der Zentralen Stadtbibliothek M. Gorki in Pjatigorsk. Gemeinsam mit seinen Mitherausgebern Matthias Engels und Thomas Kade freut sich Thorsten Trelenberg über die rege Begeisterung der Mitschreibenden. “Schnell hatten wir 25 Autor*innen zusammen, die zum Gelingen dieses internationalen Projektes ihren Beitrag leisten wollten”, erzählt Trelenberg. Die nun vorliegende zweisprachige Anthologie ist eine weitere Veröffentlichung in dem von Erich Fritz und Thorsten Trelenberg initiierten Westfälisch-Kaukasischen-Literaturkreises. Für die großartige Unterstützung bedanken sich alle Mitwirkenden bei der Auslandsgesellschaft.de und der Deutsch-Russischen-Akademie-Ruhr.

Zwischen Emscher und Paschenberg

Zwischen Emscher und Paschenberg: Miniaturen aus einer Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet

Heinz Schumacher
Athena Verlag, Oberhausen 2020

Wie in einer Zeitreise wird uns eine Welt vorgestellt, die es heute so nicht mehr gibt, deren Lebensgefühl der Autor mit knappen Worten, aber mit Präzision vor uns erstehen lässt.
Abläufe im Alltag eines Kindes, eines Jugendlichen zwischen Emscher und Paschenberg, die es bis auf regionale Besonderheiten auch in anderen Gegenden der Republik ähnlich gab.
Der Hof des Mehrfamilienhauses als Lebenswelt, eine Familie unter den für die Nachkriegszeit typischen Exis­tenzbedingungen, eigenartig-kauzige Individuen, die das Stadtbild mitprägen, die Schule als unangefochtene Autorität, die Kirche als machtvolle Institution, die kriegsversehrten Männer. Doch auch so wunderbare Erscheinungen wie Lurchi-Hefte, das Aufkommen von Genüssen wie »Kalte Schnauze«, die Taubenzucht, Wanderungen und Verwandtenbesuch mit Wicküler oder Dortmunder Union am »Sonntag in der kleinen Stadt«. Nicht zu vergessen die Buttercremetorte und der Garten als erholsames, gepflegtes Paradies. Ein Rückblick auf ein Damals, das viele kennen, aber auch »ein Versuch, etwas zu bewahren und der Endgültigkeit des Vergessens zu widersprechen «
Das alles mag schon oft erzählt worden sein, aber der Autor verleiht seinem Werk eine besondere Dichte durch literarische Bezüge und eigene philosophisch anmutende Vorbemerkungen und Zwischentexte. Er schreibt seine Erinnerungen, erlaubt aber mit Hemingway, dass der Leser dieses Buch auch als Werk der Fantasie ansehen darf.
(Klappentext)